
Eine Kunst, die sich im Laufe der Zeit von einer kulturellen Tradition zu einer globalen Industrie entwickelt hat – das ist die Kunst des Tätowierens. Hinter jedem beeindruckenden Tattoo steckt jedoch eine komplexe Mischung aus Tätowierfarbe Inhaltsstoffe, Pigmenten und chemischen Substanzen, die jahrelang in der Haut verbleiben.
Im Studio Flight of Ink in Innsbruck begegnen wir täglich Kundinnen und Kunden, die Fragen stellen wie:
Sind Tattoo-Farben wirklich sicher?
Warum sind manche Marken in Europa verboten?
Und wie kann man sicherstellen, dass eine Farbe den REACH-Standard erfüllt?
Basierend auf unserer Erfahrung im Tattoo Studio Innsbruck und den offiziellen EU-Vorschriften möchten wir in einfachen Worten erklären, welche Inhaltsstoffe in Tattoo-Farben enthalten sind und warum die Wahl einer zertifizierten Marke so wichtig ist.
Hauptbestandteile der Tätowierfarbe
Jede Tattoo-Farbe besteht aus zwei Grundkomponenten:
- Pigment:
Das Pigment ist die Hauptquelle für Farbe und Haltbarkeit.
Diese feinen Pulver werden in zwei Gruppen unterteilt:
- Natürliche mineralische Pigmente – z. B. Eisenoxid, Holzkohle oder Titandioxid.
- Synthetische organische Pigmente – wie Azo-Farbstoffe und Phthalocyanine, die hellere und brillantere Farben erzeugen.
- Trägerflüssigkeit:
Sie transportiert die Pigmente in die Dermisschicht der Haut.
Übliche Bestandteile sind destilliertes Wasser, Glycerin, Isopropylalkohol oder Ethanol.
Im Flight of Ink Studio verwenden wir ausschließlich Farben, deren Lösungsmittel qualitativ hochwertig und gesundheitlich unbedenklich sind – um Hautreizungen so gering wie möglich zu halten.
Welche Inhaltsstoffe sind in gängigen Tattoo-Farben enthalten?
- Schwarz: Ruß (Carbon Black), Eisenoxid – stabil und risikoarm.
- Rot: Quecksilbersulfid, Azo-Farbstoffe – häufige Ursache für Reizungen und Allergien.
- Blau: Kupfer- oder Kobalt-Phthalocyanin – kann Hautreaktionen verursachen.
- Grün: Chromoxid, Phthalocyanine – REACH-Zulassung erforderlich.
- Gelb: Cadmiumsulfid – reagiert empfindlich auf Sonnenlicht.
- Weiß: Titandioxid – schwer mit Laser zu entfernen.
Schwermetalle und ihre möglichen Risiken
Viele Tattoo-Farben enthalten Schwermetalle, die Farbe und Haltbarkeit verbessern, aber gesundheitliche Risiken bergen:
- Nickel: Kann Hautreizungen und chronische Allergien auslösen.
- Quecksilber: Besonders in roten Farben – kann neurotoxisch wirken.
- Cadmium: Erhöht bei UV-Licht das Krebsrisiko.
- Chrom & Kobalt: Führen zu Entzündungen und immunologischen Reaktionen.
In einem unserer Cover-up-Projekte entdeckten wir bei einem Kunden mit einer alten roten Tätowierung eine chronische Entzündung.
Nach Analyse stellte sich heraus, dass das verwendete Rot Quecksilber enthielt – ein Problem, das bei REACH-zertifizierten Farben heute nicht mehr vorkommt.
Was ist REACH und warum sind manche Farben in Europa verboten?
REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals – das EU-System zur Kontrolle gefährlicher Chemikalien.
Seit 2022 fallen auch Tattoo-Farben offiziell unter diese Verordnung.
Kein Produkt darf ohne Registrierung und chemische Prüfung in der EU verwendet werden.
Einige Farben wurden verboten, weil sie:
- Azo-Verbindungen oder Schwermetalle enthielten,
- bei Licht oder Hitze zerfallen und krebserregende Stoffe wie Anilin oder Benzidin freisetzen konnten.
Insgesamt hat die EU über 4000 chemische Substanzen in Tattoo-Farben verboten.
🇪🇺 Unterschiede zwischen europäischen Marken und REACH-zertifizierten Farben
Nach Einführung der REACH-Verordnung mussten europäische Hersteller ihre Formeln streng anpassen.
Die wichtigsten Unterschiede sind:
- Kein Einsatz von Nickel, Quecksilber, Chrom oder Cadmium
- Verwendung sicherer, nicht-azoischer Pigmente
- Klare Kennzeichnung mit Inhaltsstoffen, Produktionsdatum und REACH-Zulassungsnummer
- Gleichmäßigere Farbabgabe und geringeres Allergierisiko
- Natürlichere Haltbarkeit und bessere Hautverträglichkeit
Empfohlene zertifizierte Marken sind:
Intenze EU Edition, Eternal Ink REACH Approved, World Famous Limitless, Kuro Sumi EU Series und Dynamic EN Series.
Diese Farben lassen sich gleichmäßiger einarbeiten, haben eine hohe Pigmentaufnahme und wirken nach der Heilung natürlicher.
Hygieneregeln bei der Verwendung von Tattoo-Farben
Gemäß den Vorschriften der ECHA und des europäischen Gesundheitsamtes sind zwei Punkte entscheidend:
- Desinfektion der Farbflasche vor Gebrauch
– Der Flaschenhals muss vor jedem Einsatz mit einer Hautdesinfektion gereinigt werden. - Vermerk des Öffnungsdatums
– Nach dem Öffnen ist die Farbe nur 6–9 Monate haltbar.
Das genaue Datum des Öffnens sollte direkt auf der Flasche notiert werden.
Professionelle Tipps für Tätowierer:innen
In professionellen Studios wie Flight of Ink Innsbruck gehört technisches Wissen über Farbinhaltsstoffe zur täglichen Arbeit.
Wichtige Grundregeln sind:
- Nur Farben mit offizieller REACH-Kennzeichnung und Registriernummer verwenden
- Flaschenhals vor jedem Öffnen desinfizieren
- Farbflaschen nie direkt auf der Haut oder am Arbeitstisch platzieren
- Farbe in sterile Einwegbecher füllen
- Öffnungsdatum mit wasserfestem Marker auf der Flasche notieren
- Abgelaufene Farben entsorgen
- Farben kühl (15–25 °C), trocken und dunkel lagern
- Keine direkte Sonneneinstrahlung oder Hitzeeinwirkung
- Arbeitsflächen und Geräte vor jeder Sitzung desinfizieren
- Verwendung von Nitrilhandschuhen, Schutzvisier und Atemmaske
- Kundeninformationen inkl. Chargennummer dokumentieren und mindestens 2 Jahre aufbewahren
- Regelmäßige Fortbildungen zu neuen EU-Farbstandards besuchen
- Für empfindliche Hauttypen hypoallergene Farben verwenden
- Restfarben niemals zurück in die Flasche geben
- Entsorgung über spezielle biologische Abfallbehälter

